- WFBB zieht Zwischenbilanz: Gut 15.000 Arbeitsplätze in 25 Jahren -

„Die Lausitz ist ein internationales Schaufenster für die Energie- und Mobilitäts-wende. Hier werden Themen bearbeitet, die die Welt bewegen. Bei allen Herausforderungen der Transformation hat die Lausitz als innovative Industrieregion im Dreiländereck Deutschland, Polen und Tschechien viel zu bieten – und viel Zukunft vor sich. Sie hat einen soliden Unternehmensbestand, enge Kooperationen von Wirtschaft und Wissenschaft sowie die Chance aus dem Strukturwandel die Industrien von morgen in der Lausitz zu gestalten. Das jüngste Dynamik-Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft mit Cottbus auf Platz 1 in ganz Deutschland bestätigt den Aufstieg der Lausitz eindrucksvoll“, sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB), Dr. Steffen Kammradt, heute bei einem Besuch in Cottbus. Anlässlich des 25jährigen Bestehens der WFBB zieht er eine Zwischenbilanz.

In der Lausitz* hat die WFBB seit ihrer Gründung im Jahr 2001 insgesamt 1.872 Unternehmensprojekte mit 15.825 Arbeitsplätzen und einem Investitionsvolumen von 7,84 Milliarden Euro begleitet und unterstützt. Hinzu kommen 4.254 Beratungen zu Fach- und Arbeitskräften. 
(* Cottbus sowie Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße)

„Wir freuen uns, dass wir in den vergangenen 25 Jahren die wirtschaftliche Entwicklung in der Lausitz gemeinsam mit unseren regionalen Partnern vor Ort aktiv unterstützen konnten – beim Wachstum und auch in schwierige Phasen. Vieles ist in dieser Zeit neu entstanden: Es haben sich internationale Unternehmen wie die Hamburger AG aus Österreich, der Keramikspezialist Porcelaingres aus Italien, Fuji Oil aus Japan, Tradebe aus Spanien oder – ganz aktuell – das kanadische Technologieunternehmen Infinite Loop Europe neu in der Lausitz angesiedelt. Im BER-Umfeld prägt die Luftfahrttechnik die Region. Die neuen Forschungsinstitute und das hochmoderne ICE-Werk der Deutschen Bahn prägen Cottbus. Mit der Produktion von Batteriematerialien bei der BASF kommen ganz neue Themen in die Lausitz. Und die Region hat ein einzigartiges Profil entwickelt: das erste ‚Net Zero Valley‘ in Deutschland“, betont Dr. Kammradt.

„Die Ausrichtung auf nachhaltige ‚Netto-Null-Technologien‘, verbunden mit ausgewählten Standorten und vereinfachten Verfahren machen einen wirtschaftlichen Schub möglich“, so Dr. Kammradt weiter. „Neben der Energiewende und kann die Lausitz auch von der Mobilitätswende profitieren. Der ‚Tesla-Effekt‘ hat Brandenburg auf die internationale Landkarte der modernen Mobilität gebracht. Mit dem DEKRA Technology Center in Klettwitz und den Batteriematerialien der BASF setze die Lausitz starke Akzente in diesem Bereich."

Eine Besonderheit ist die gemeinsame internationale Vermarktung der Lausitz durch die WFBB zusammen mit der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS). Dafür haben WFBB und WFS mit den Landkreisen und Cottbus das zentrale Investorenportal www.lausitz-invest.de aufgebaut. „Gemeinsam sind wir stärker“, betont Dr. Kammradt, „Die brandenburgische und sächsische Lausitz ist zusammen viermal so groß wie das Saarland, hat rund 1,1 Millionen Einwohner und ein breites Spektrum an Industrien. Das kann sich im Wettbewerb der Wirtschaftsregionen sehen lassen.“

Beispiele für Investitionsprojekte, die durch die WFBB seit 2001 aktiv begleitet wurden:

Eine der ersten großen Investitionsvorhaben war für die WFBB 2002 der Aufbau einer Papierfabrik in Spremberg durch die österreichische Hamburger Rieger Gruppe. Gestartet mit 270 neuen Arbeitsplätzen hat Hamburger Rieger den Standort in den Folgejahren stetig erweitert, zuletzt 2018 mit der Großinvestition in eine zweite Papiermaschine. Seit 2002 hat Hamburger in Spremberg rund 990 Millionen Euro investiert. Heute arbeiten am Standort rund 700 Beschäftigte.

2003 war der Produktionsstart des Keramikwerks Porcelaingres in Vetschau. Der Mutterkonzern, die italienische IRIS Ceramica Gruppe, hatte 2001 entschieden, in Brandenburg ihren ersten Standort im Ausland zu errichten. Das Werk hat heute 220 Arbeitsplätze und liefert von hier aus weltweit.

Erfolgreich gesichert wurde das ehemalige Campina Milchwerk mit über 300 Beschäftigten in Elsterwerda durch die ODW Frischprodukte GmbH im Jahr 2010, die den Standort anschließend ausgebaut hat.

Im Norden der Region entwickelt sich bereits seit 2010 ein immer stärker werdendes wirtschaftliches Umfeld um den Flughafen BER. Hochspezialisierte Wartungsbetriebe wie Lufthansa Technik und Bombardier Aviation Services in Schönefeld sowie innovative Entwicklungsfirmen wie Florida Turbine Technologies (FTT) und X2E Aerospace Technologies GmbH in Wildau sind nur einige Beispiele für die wachsende Airport Region, die vom BER in die Lausitz ausstrahlt.

Paukenschlag in Klettwitz im Jahr 2017: Die DEKRA kauft den Lausitzring, um hier Europas größtes unabhängiges Zentrum für automatisiertes und vernetztes Fahren zu errichten.

2019 zog das japanische Ernährungswirtschaftsunternehmen Fuji Oil in den Spreewald. Es errichtet in Golßen eine Produktionsanlage für Nahrungsergänzungsmittel. Die WFBB führte Gespräche über das Ansiedlungsprojekt u.a. vor Ort in der Firmenzentrale in Osaka.

Ein wirtschaftlicher Anker der Lausitz ist die BASF in Schwarzheide. 2020 kündigte BASF den Einstieg in die Wertschöpfungskette der Elektromobilität an. Mit dem Aufbau der Produktion von Kathodenmaterial für Batterien sind ein Investitionsvolumen von 500 Millionen Euro und 200 Arbeitsplätze verbunden. Hinzu kommt eine Prototypanlage für das Batterierecycling.

Auch das Umfeld um den Standort Schwarzheide der BASF weist eine starke Entwicklung auf: bereits 2013 wurde hier ein Technikum des Fraunhofer Instituts für angewandte Polymerforschung aus Potsdam errichtet und an Biokunststoffen geforscht. 2014 siedelte sich der Automobilzulieferer Proseat in Schwarzheide an, 2019 das spanische Umwelttechnik-Unternehmen Tradebe, das auf die Rückgewinnung von Lösungsmitteln aus industriellen Produktionskreisläufen spezialisiert ist.

Die Lausitz kann schnell: In noch kürzerer Zeit als die Tesla-Gigafectory in Grünheide ist das neue ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn entstanden. 2024 wurde der erste Bauabschnitt fertiggestellt, 2026 der zweite.

Kürzlich hat das kanadische Technologieunternehmen Infinite Loop Europe eine dreistellige Millionen-Investition auf dem Standort der BASF (Industriepark Lausitz) zum Aufbau einer neuartigen Recycling-Technologie für PET-Kunststoffabfälle und Polyesterfasern (z. B. Plastikflaschen, Verpackungen, Kleidung, Teppiche) bekannt gegeben. Mit dieser Ansiedlung sollen 150 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Beispiele für Technologievorhaben, die von der WFBB unterstützt wurden:

Die Unternehmensgruppe Kjellberg aus Finsterwalde, Weltmarktführer im Bereich Plasmaschneiden, entwickelte neue Technologien im Bereich Plasma- und Laserstrahlschneiden und -schweißen und baute damit seine Position als führendes Unternehmen für Schneidanlagen, Schweißtechnik sowie Schweißelektroden aus.

Das Unternehmen Prof. Dr. Berg & Kießling (Cottbus) schloss ein Verbundprojekt mit der BTU Cottbus-Senftenberg zur Entwicklung eines mit einer Mikrogasturbine betriebenen Blockheizkraftwerkes erfolgreich ab. Die Entwicklung gestattet den Einsatz unterschiedlicher, bisher kaum genutzter Brennstoffe.

Neben großen Projekten wurde eine Vielzahl anwendungsorientierter, kleinerer Vorhaben regionaler Unternehmen betreut, die zu erfolgreichen innovativen Produkten und Verfahren führten: Die eta AG engineering entwickelte in einem Innovationsprojekt Drohnen, die autonom Industrieanlagen vermessen. Die Gebrüder Noack, Holzfachmarkt GmbH & Sägewerk GbR aus Spremberg, haben in einem Innovationsprojekt ein neues Verfahren zur Herstellung von Brettschichthölzern für den Ingenieursholzbau entwickelt. Diese Hölzer werden beispielsweise als Leimbinder bei Dachstühlen oder bei Carports eingesetzt.

Die PFABO GmbH, eine Ausgründung aus der TH Wildau, hat im vergangenen Jahr ein PFAndBOxensystem für den mit strengen Hygienevorschriften versehenen Frischebereich des Lebensmitteleinzelhandels entwickelt.

Die Florafilt Luftreiniger GmbH aus Bersteland hat biologische Luftreiniger insbesondere für Büroräume entwickelt, die die Luft befeuchten und Schadstoffe mittels Pflanzen herausfiltern.

Die Alberding GmbH aus Wildau hat in einem Innovationsprojekt zusammen mit verschiedenen Häfen und anderen Partnern eine Informationsplattform zur Erhöhung der Effizienz von Transportvorgängen als weiteren Baustein auf dem Weg zum automatisierten und vernetzten Fahren auf der Spree-Oder-Wasserstraße entwickelt. In diesem Sommer wurde der Testlauf gestartet.

Beispiele für innovative Gründungen, die die WFBB beraten hat:

PyroPower aus Cottbus entwickelt innovative Pyrolyse-Blockheizkraftwerke (Pyro-ClinX), die Biomasse in Strom, Wärme und Pflanzenkohle umwandeln. Das GreenTech-Unternehmen setzt auf dezentrale Energiesysteme und leistet so einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie. Durch die Kombination von Pyrolyse und Mikrogasturbinen entsteht eine negative CO₂-Bilanz, während gleichzeitig hochwertige Pflanzenkohle als Kohlenstoffsenke produziert wird.

Hyphox aus Wildau hat einen digitalen Schnelltest entwickelt, der Vor-Ort-Analysen in Laborqualität ermöglicht. Mit einem patentierten, photonischen Biosensor können in wenigen Minuten Bakterien, Viren oder Proteine in Flüssigkeiten wie Wasser, Blut oder Urin aufgespürt werden. Das Spin-off des Leibniz-Instituts für innovative Mikroelektronik ist Teil des Startup Lausitz Accelerators.

Trip Leap aus Cottbus entwickelt eine KI-gestützte Plattform, mit der Museen, Tourismusorganisationen und Kreative spielerische Lern- und Reiseerlebnisse für Familien gestalten können. Über die Software lassen sich digitale Schatzsuchen, Stadtrallyes und interaktive Storytelling-Formate ohne Programmierkenntnisse erstellen. Das Startup wird im MTH Accelerator des MediaTech Hub Potsdam begleitet.

Formify3D aus Cottbus spezialisiert sich auf 3D-Druck-Lösungen und bietet individuelle, hochwertige 3D-Drucke für verschiedene Branchen an. Das Unternehmen setzt auf moderne Fertigungstechnologien, um maßgeschneiderte Produkte für Industrie und Privatkunden zu realisieren.

Vira Drones aus Cottbus entwickelt autonome Schwerlast-Drohnen für Logistik-, Rettungs- und Industrieeinsätze. Die in Cottbus ansässige Entwicklungseinheit arbeitet an VTOL-Plattformen (Vertical Take-Off and Landing), die auch in schwer zugänglichen Gebieten große Lasten transportieren und perspektivisch kostengünstige Alternativen zu Helikoptern bieten sollen.